PRESSEARTIKEL


Zeit für Neues (2007)

Ich weiß noch, wie ich die Therapeutin nach unserem Gespräch verließ und auf dem Sofa hockte und das Gespräch nachwirken ließ.  Ich sollte nochmals nachfühlen, hatte sie gesagt, 'sacken’ lassen und mir Zeit für die Entscheidung nehmen. Es ging um die Anmeldung zur Dynamischen Körpertherapie - einem Jahrestraining, an dem ich teilnehmen wollte.
Das Anmeldeformular lag leicht in meiner Hand; eine Anmeldung zu einem neuen Schritt in meinem Leben.
In dieser Minute, dort auf dem Sofa, fiel mir der Entschluss plötzlich sehr leicht. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Zu lange schon fühlte ich mich festgefahren in Beruf und in privaten Situationen. Ich war gründlich frustriert mit meinem Leben, auch wenn ich mir das damals selten eingestand. 44 Jahre, getrennt lebend,  monotoner Büroalltag, 1x die Woche Tennis. Sonst passierte wenig.

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Dynamische Körpertherapie

Sogar die Gesprächstherapie, die ich zwei Jahre lang regelmäßig machte, hatte mich nicht mehr weitergebracht oder erleichtert. Ich schien immer im Kreis zu laufen; nichts veränderte oder bewegte sich. Selten lernte ich interessante Menschen kennen und wenn, ließ ich sie nicht an mich heran. Ich war viel alleine, litt unter Schulterverspannungen,  Migräne. Ich hatte es satt - auch weil ich wußte, dass es noch mehr geben musste. Ich wollte etwas Neues wagen.

Von der Dynamischen Körpertherapie hatte ich von Freunden gehört, die öfter Mittwochabends in das Institut gingen, um durch die Körpertherapie frischen Wind zu tanken, wie sie es nannten. 
Ich war neugierig aber wollte erstmal verstehen, worum es da überhaupt ging, und buchte ein Informationsgespräch. 
Subodhi Schweizer, Therapeutin und eine der beiden Leiter des Trainings, klärte mich über das Wesen und die Inhalte der Dynamischen Körpertherapie auf.

Der Ursprung von Dynamische Körpertherapie reicht  zurück zu einem Mann namens Wilhelm Reich. Er war der erste Therapeut, der Körper und Psyche in Zusammenhang stellte. Er fand heraus, dass, Verspannungen, Leiden und Krankheiten entstehen, wenn Gefühle und Lebensimpulse unterdrückt werden. Er entwickelte eine Körpertherapie, mit der er, wie er es nannte, begann am Muskelpanzer zu arbeiten. 
Hier setzt Dynamische Körpertherapie an: gezielte Atemübungen und Bioenergetik können diesen Muskelpanzer lösen und befreien, so dass der Mensch wieder ins fließen kommt. In sogenannten Stresspositionen können gehaltene Energien, verdrängte Gefühle und unbewusste Verhaltensmuster an die Oberfläche und somit wieder ins Bewusstsein kommen.
„Es geht darum deinen Körper wahrzunehmen, deine Gefühle zuzulassen  und die Erlaubnis dich auszudrücken und zu deiner ursprünglichen Lebendigkeit zurück zu finden.“, erklärte Subodhi mir aufmunternd. 
Sich ausdrücken. Gefühle wahrnehmen. Ich spüre, wie ich bei dem Gedanken die Schultern schon wieder hoch zog. Damals tauchte ein Bild von Leuten in mir auf, die wild in Kissen schlagen und herumbrüllen. 
„Wie muss ich mir das mit dem ‘Ausdrücken’ denn vorstellen?“ frage ich schüchtern.
„In der Dynamische Körpertherapie geht es darum, sich deinen Körper, deine Gefühle zu erforschen, seine Lebensimpulse wieder zu entdecken und sich in deinem Ausdruck so frei zu fühlen, wie ein Kind. Dabei ist es wichtig, respektvoll mit seinen Grenzen umzugehen, nichts zu erzwingen, aber auch nichts zurück zu halten, sondern zu erlauben. Diese Form der Therapie ist sehr nachhaltig, weil sie über den Körper geht und nicht nur mit dem Kopf arbeitet. Das Gelernte wird im Körper verankert und wird nicht gleich wieder vergessen...“
Vieles, was Subodhi mir sagt, erschien mir fremd und neu, aber ich war neugierig geworden und hatte Feuer gefangen. Ich buchte das Jahrestraining.

Das Training beginnt – Zeit des Erwachens!
Aller Anfang ist schwer. Im ersten Abschnitt war ich die meiste Zeit nervös und aufgeregt. Ich zog mich immer wieder nach Innen zurück, wo ich mich sicher und unberührbar fühlte. Dennoch erlaubten die angebotenen Strukturen und die Einladung der Therapeuten mir, mich mehr loszulassen und bei mir anzukommen. 
Anfangs fiel es mir sehr schwer mich zu bewegen, ich war berührt und erstaunt darüber, wie andere hemmungslos anfingen zu weinen oder sich offen mit ihren Gefühlen zeigen konnten. In den Übungen atmeten wir durch den offenen Mund und gingen in bestimmte Körperpositionen oder Bewegungen. Zu meinem Erstaunen gruben sich auch in mir Gefühle unaufhaltsam nach oben. Mehr und mehr öffnete und näherte ich mich dieser Arbeit und  den einzelnen TeilnehmerInnen an.
Immer wieder stieß ich auf alte Glaubenssätze von Zuhause, die mich bremsten. Dort hieß es: ‚Schluck runter; reiß’ dich zusammen; sei still, benimm dich oder zappele nicht so rum...“  Meine Schultern und mein Nacken hielten fest. Ich war gehalten in diesen Mustern und Spannungen. Ich hatte Angst, all dieses einfach loszulassen. Das war der erste Schritt: Ehrlich anzuerkennen, was ist.
In den folgenden Abschnitten, fing ich an zu lernen. Ich lernte mich kennen, so wie ich eben bin und so wie ich gelernt habe, mich verhalten zu müssen. Ich verstand Zusammenhänge, z.B. was Gesellschaft von mir erwartet und welche Kompromisse ich dafür machte. Ich lernte ganz leise, ganz langsam, war achtsam mit meinen Grenzen.
Ich spürte immer wieder meine flache Atmung, meine Angst vor Tränen und vor Wut. Ich fing an zu verstehen, wie die gelernten Kontrollmechanismen mich mein Leben lang regierten, ganz einfach nur, weil ich Angst vor Gefühlen hatte. Ich war sprachlos und froh über die Erkenntnisse, die mich überfielen. Das Atmen und die Übungen ließen mich aufwachen.  Ich wurde von den Therapeuten und der Gruppe  gesehen. Es tat gut, sich darin zu üben sich zu zeigen, mit dem was wirklich in mir war.

Der Weg ist das Ziel!
Das Training wurde ein großer, persönlicher Erfolg. Es gab intensive, lange Abschnitte, wo ich lernte, Freundschaft mit meinem Körper zu schließen. Momente, wo ich mich traute da zu sein, einfach so. Ich erlebte Momente des Glücks, wo ich einfach nur fühlte und ich mit  den anderen Teilnehmern sehr verbunden war. Ich lernte meine Launen, Stimmungen so sein zu lassen, wie sie sind. Ich war bewusster über mich und respektierte z.B. die Tage, in denen ich einfach nur sensibler war als gewöhnlich. Die Gespräche mit den anderen Teilnehmern, die therapeutische Begleitung, die Meditationen und die Offenheit in dem gesamten Training, bewirkten Integration und Raum, den eigenen Prozess zu beobachten.
Zwischen den Trainings-Abschnitten genoss ich es, in mein ‚normales’ Leben zurückzugehen. Ich beobachtete, wann ich Dinge anders, als gewöhnlich anging und wann nicht. Ich sah wie ich diese Therapieform mit meinen Alltag verbinden konnte und das Gelernte langsam integrieren konnte. 
Ich bin mutiger geworden und lasse mich  nicht mehr so leicht von einem schlecht gelaunten Vorgesetzten durch die Gegend schubsen. Kollegen sagen, ich wirke  entschlossener und klarer aber auch gelassener, gleichmütiger. Wie auch immer, ich weiß dass meine Wahrnehmung für mich und meine Umwelt schärfer geworden ist. 
Ich bekomme mich mehr mit und höre auf die Zeichen meines Körpers. Da sind immer noch zwei Schultern, die die Tendenz haben sich schützend hochzuziehen. Aber wenn ich das spüre, frage ich mich: was ist denn gerade los? Was stresst mich oder was ärgert mich?
Heute bin ich viel zentrierter in mir selbst. Ich habe einen tieferen, menschlicheren Umgang mit anderen  und habe weniger Angst  im Kontakt mit Fremden tollpatschig oder unsicher zu sein.

Ich mag mich mehr. Eine kleine Erkenntnis – mit großer Wirkung.