PRESSEARTIKEL


In der Mitte des Lebens (2009)

Interview mit Subodhi Schweizer zu ihrem neu konzipierten gleichnamigen Seminar


Woher kam für dich die Motivation, eine Gruppe zu dieser Thematik zu entwickeln?

Die Motivation ist eine ganz persönliche. Ich erlebe seit 3 Jahren selbst die Veränderungen, die sich in der Mitte des Lebens, als Frau einhergehend auch mit den Wechseljahren, einstellen. Darüber hinaus erfahre ich auch von meinen Klientinnen und Klienten ganz oft, dass die Themen, mit denen sie in eine Sitzung kommen, mit älter werden zu tun haben. Meist ohne das sie sich dessen bewusst sind.

Mit diesem Seminar möchte ich einen Raum öffnen, in dem wir uns diesen Themen, die sich im Alter zwischen 40 – 55 zeigen, bewusst widmen.


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In der Mitte des Lebens

Mit welchen Themen kommen deine Klientinnen und Klienten? Und gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?

Es sind ganz verschiedene Themen, und die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind nicht groß.  Generell geht es darum, sich noch mal neu zu definieren und sich zu fragen: Wer bin ich? Es geht auch um körperliche Veränderungen: die meisten Menschen merken, dass sie nicht mehr so belastbar sind wie früher und das sich körperliche Grenzen zeigen. Eltern sind damit konfrontiert, dass die Kinder aus dem Haus gehen und sie wieder auf sich selbst zurück geworfen sind. Eheprobleme, die jahrelang verdrängt wurden, werden sichtbar. Frauen kommen natürlich mit Wechseljahresthemen in meine Praxis. Viele Männer und Frauen beschäftigen sich noch mal mit ihrem Beruf, vor allem wenn sie schon (zu) lange dasselbe gemacht haben. Fast alle spüren und denken ' wenn noch mal eine „richtige“ Veränderung ansteht, dann jetzt.' Und interessanterweise, traut sich dabei kaum einer nach vorne zu schauen oder zu visionieren, wie sie ihr Leben weiter kreativ gestalten könnten.  In dieser Suche unterstütze ich sie. Ich lade sie ein, zurück und auch wieder nach vorne zu schauen.


Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die Leute sich nicht trauen, zu visionieren?

Ich glaube, zum einen ist das die gesellschaftliche Prägung. Für die meisten unserer Eltern galt ja: „Bis zur Rente halten wir durch. Frühestens dann dürfen wir noch mal was Neues machen“. Natürlich spielt auch die aktuelle Wirtschaftskrise mit der Angst vor einer möglichen materiellen Armut eine Rolle. Viele trauen sich deswegen nicht, noch mal etwas Neues zu wagen.

Manchmal mache ich in meinen Sitzungen eine Übung: der Klient stellt sich vor, auf einem Berg zu sitzen. Er blickt noch mal zurück auf den Weg, den er gegangen ist, und soll sich dann vorstellen, wie die Landschaft aussieht, die noch vor ihm liegt.

Die meisten sehen nach vorne hin erst mal nichts. Doch für viele ist es ein wertvoller Anstoß sich zu erlauben, Bilder in der Zukunft ins Bewusstsein steigen zu lassen.


Das hört sich so problemorientiert an. Ist es nicht so, dass viele auch sagen: Ich bin in der Mitte, ich hab viel erreicht, ich freu mich einfach auf die zweite Hälfte?

Es stimmt, viele sagen: ja, toll, ich hab viel erreicht und ich bin an einem guten Punkt in meinem Leben. Aber oft bleibt trotz allem ein Gefühl von Unerfülltheit oder Unzufriedenheit. Die Frage „War das alles“ drängt sich ins Bewusstsein. Die meisten von uns sind nach der Schule oder nach dem Studium voll ins Berufsleben eingestiegen, haben Karriere gemacht und die ganze Energie und Kreativität dem beruflichen Erfolg gewidmet. Zwischen 40 und 45 – diese Zeit wird auch als Midlife Krise bezeichnet – zieht man nun Bilanz. Wir blicken zurück, sehen, was wir Erfolgreiches geleistet haben und schauen, ob wir in der Zukunft alles so weitermachen wollen. Ist unser Beruf auch unsere Berufung? Haben wir uns unsere Ehe oder unsere Partnerschaft so vorgestellt oder sind viele unserer Ideale und Vorstellungen durch ständige Kompromisse auf der Strecke geblieben? Ist mein soziales Umfeld noch Erfüllend und Bereichernd oder nur noch reine oberflächliche Routine? Sich diesen Fragen zu öffnen und sie für sich selbst ehrlich zu beantworten ist der Grundstein für den nächsten Schritt.


Wie erlebst du deine Klientinnen und Klienten denn in deinen Sitzungen zu all diesen Themen? Was berührt sie am meisten?

Die meisten kommen mit einer Ratlosigkeit bzw. sie kommen nicht, um sich mit der „Mitte des Lebens“ zu beschäftigen. Sie kommen mit irgendeinem Thema: Meine Kinder gehen aus dem Haus, ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll. Meine Beziehung funktioniert nicht mehr. Mit dem Sex klappt es nicht mehr. Mein Körper verändert sich, ich bin nicht mehr so belastbar. Ich möchte beruflich noch mal was ganz anderes machen. Ich habe den Wunsch nach mehr Tiefe im Leben. etc. etc.

In einer Einzelstunde oder auch in einem Seminar wird deutlich, dass es „normal“ ist, sich in der Mitte des Lebens mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Sie erkennen, dass es sogar wichtig ist, sich diese Fragen zu stellen, damit noch mal was in Bewegung kommen kann. Und mit dieser Erkenntnis entspannen die meisten schon ein ganzes Stück. Sie merken, da sitzt mir jemand gegenüber, der kann das nachvollziehen; oder in der Gruppe gibt es andere Teilnehmer, denen es genauso geht. Ich spinne nicht, wenn ich mich latent unzufrieden und in verschiedenen Bereichen nicht genährt fühle. Und weil da jemand sitzt und sagt: das ist normal, und es ist gut, Fragen zu stellen, öffnet sich ein bis dahin unbekannter Raum.


Was kann ich denn bei dir lernen, was vermittelst du in dem Seminar „Mitte des Lebens?“

Zunächst einmal lade ich die Teilnehmer ein, einander mitzuteilen, was sie im Moment beschäftigt. Und natürlich sind die Themen individuell unterschiedlich. Für mich ist es sehr wichtig, erstmal diesen Raum zu öffnen. Weil sich nach meiner Erfahrung keiner selbst so richtig traut, darüber zu sprechen. Auch in unserer Gesellschaft fängt es ja gerade erst an, dass das älter werden thematisiert wird. Und dann biete ich ein paar Strukturen an, die die Teilnehmer einlädt, zu bestimmten Themen andere Lösungen zu finden – Lösungen, die über ihre normalen Denkmuster hinausgehen oder wo sie ganz einfach einen anderen Blick entwickeln können auf das, was sie beschäftigt.


Was heißt das konkret?

Das heißt, dass die Teilnehmer in einer geschützten und sicheren Atmosphäre erforschen können, was sie in diesem wichtigen Lebensabschnitt beschäftigt und berührt. Das schließt natürlich die Gefühlsebene mit ein. Manche Menschen sind erstaunt, andere betroffen über das, was sie erzählen, bzw. dass sie überhaupt so viel zu erzählen haben. Diese emotionale Qualität kreiert einen Raum, der über die Verstandesebene hinausgeht. Jeder einzelne kann so für sich herausfinden, welche Ängste und welche Wünsche er zu bestimmte Themen hat. Darüber hinaus erforschen wir auch das Gefühl der Leere, das viele kennen und schauen, womit es gefüllt werden will, um uns wieder ein Gefühl von Fülle und innerem Reichtum zu geben.

Für die meisten Menschen ist es so: Wir bekommen mit, dass eine Menge passiert und wir nicht mehr so glücklich sind, schauen aber nicht genauer hin.


Mit welchen Methoden arbeitest du?

Unter anderem mit kreativen Techniken wie Malen und freiem Assoziieren. Dann benutzte ich Methoden aus der Gestalttherapie: Zum Beispiel nimmt der Teilnehmer verschiedene Positionen zu einem bestimmten Thema ein. Dadurch werden Denkmuster klar sichtbar und neue Möglichkeiten können wahrgenommen werden. Etwa den „Träumer“ und den „konstruktiven Kritiker“, der sich nicht negativ sondern positiv äußert zu dem, was dem Träumer so einfällt. Das ist oft eine erstaunliche Öffnung des Verstandes – wir kennen meist nur den inneren negativen Kritiker, der uns mit Vorwürfen überhäuft,  nach dem Motto: Du hast doch so viel erreicht, warum bist du eigentlich unzufrieden? Wenn der konstruktive Kritiker reden darf, dann entsteht meist erstmal eine Pause, und dann begreift man, dass Dinge, die aus Träumen herauskommen, unter Umständen verwirklichbar sind, wenn man sie anders anschaut.


Welche Qualitäten würdest du benennen, die uns dabei helfen können, uns bewusst mit der zweiten Hälfte des Lebens zu beschäftigen?

Ich finde es wichtig, dass die Themen, über die unsere Eltern nie geredet haben, an die Oberfläche kommen dürfen. Das erfordert eine gewisse Wachheit. Sich mit Freunden auszutauschen, offen zu sagen, was uns beschäftigt und auszusprechen, was uns nicht gefällt und wo wir uns nicht wohlfühlen, ist ein guter Anfang. Vielmehr spüren wir häufig ein Unwohlsein und statt hinzuschauen, fangen wir an, uns zu abzulenken, Fernsehen zu gucken oder Alkohol zu trinken... Sich zu trauen, die Dinge an sich herankommen zu lassen, die Gefühle zuzulassen und zu spüren, was sich in uns bewegt, ist ein wichtiger, wenn auch ungewohnter Schritt.

Wobei da Frauen einen gewissen Vorsprung haben: sie merken deutlicher, wenn sich ihr Körper verändert und artikulieren das auch. Männer reden häufig nicht über ihre abnehmende Leistungsfähigkeit.

Gegebenenfalls ist eine professionelle Unterstützung für solche Gespräche angebracht und notwendig. Und ich würde immer empfehlen zu meditiere und dabei zu  beobachten, was für „Filme“ sich auf unserer inneren Leinwand abspielen. Dabei werden immer wiederkehrende Gedankenmuster wahrnehmbar und können beachtet und angeschaut werden.

Und genau das ist die Grundlage, um sich mit Bewusstsein und Freude in die zweite Hälfte des Lebens auf zu machen. Sie gibt dir die Möglichkeit deine Träume und Wünsche ins Bewusstsein kommen zu lassen und die für dein Leben wichtigen Veränderungen in die Wege zu leiten.